OZ: Sie verhinderten den vierten tödlichen Badeunfall 2009

Nienhagen/Heiligendamm - Sonntag 12.20 Uhr, Ostseebad Nienhagen. Rettungsschwimmer Benjamin Schöne (18) aus Bad Doberan hat Dienst. Es ist windig, die Brandung geht hoch, aber noch ist die Situation übersichtlich. Dann bemerkt er das Kind an den Buhnen. Es taucht unter und wieder auf, wieder unter und wieder auf? Ein Spiel? Das kann kein Spiel sein, denkt Benjamin, als er im selben Augenblick den zarten Hilferuf vernimmt. Sekunden später ist er im Wasser, stürmt durch die Wellen. Christoph Jung (19), der zweite Mann auf dem Turm, handelt ebenso schnell: Zentrale benachrichtigen, Bergung vorbereiten, den Mann im Wasser sichern — bereithalten, um notfalls einzugreifen. Oft haben die jungen Männer diesen Ernstfall geprobt. Benjamin kann längst nicht mehr stehen. Er spürt die Strömung an den Buhnen, mit wenigen Schwimmzügen erreicht er das Mädchen, reicht ihm den Arm. „Die Kleine hat sich sofort festgeklammert“, erzählt Benjamin am Tag danach. „Ich selbst hatte dann einige Mühe, bei der Brandung von den Buhnen wegzukommen. Für das Mädchen allein wäre es unmöglich gewesen.“ Er nimmt das Kind Huckepack, kämpft sich aus der Gefahrenzone. Am Strand nimmt Christoph die beiden in Empfang, wickelt das Mädchen in Handtücher, ruppelt es ab. „Dem Mädchen ging es schon wieder ganz gut“, erzählt Christoph. „Aber außer Gefahr war sie noch nicht.“ Als der zuständige Wachleiter Olaf Mesing von der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) von den näheren Umständen erfährt, reagiert er mit Kopfschütteln. „Das Kind war allein im Wasser, die Mutter war am Kiosk oben auf der Promenade, Essen holen. Der kleine Bruder hielt sich ebenfalls ohne Aufsicht in der Strandmuschel auf“, sagt Mesing. „Das ist verantwortungslos.“ Am Ende ging alles doch ganz gut aus. „Schnell war die Mutter am Rettungsturm“, fährt Benjamin Schöne fort. Weil die Mutter sofort ins Krankenhaus Bad Doberan fahren wollte, habe man auch keinen Rettungswagen alarmieren müssen. „Wer Wasser in die Lunge bekommen hat, ist weiter in Gefahr“, sagt Benjamin. Lungen-Ödeme können sich bilden, das „trockene Ertrinken“ droht. Deshalb sollte man unbedingt zum Arzt. Am Abend meldete sich die Mutter bei den Lebensrettern. Ihre Tochter hatte alles gut überstanden.

Benjamin ist seit acht Jahren Rettungschwimmer, hat die Schule abgeschlossen und nimmt im September die Ausbildung zum Krankenpfelger auf. „Lange Zeit zum Nachdenken hatte ich nicht“, sagt er gestern, als er an den Einsatz vom Sonntag denkt. „Gut, dass alles geklappt hat. Acht Jahre Training waren nicht umsonst.“
KLAUS WALTER

Ostsee-Zeitung vom 28. Juli 2009


Bilder


Es hätte der vierte tödliche Badeunfall der Saison 2009 werden können: Christoph Jung (li.) und Benjamin Schöne haben ihn verhindert. Die Rettungsschwimmer der DRK-Wasserwacht retteten am Sonntag im Ostseebad Nienhagen ein neunjähriges Mädchen vor dem Ertrinken. Das Kind war ohne Aufsicht allein im Wasser und in die Nähe der Buhnen geraten, wo es Untiefen und gefährliche Strömungen gibt. OZ-Foto:Walter 

erstellt an 28.07.2009
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